4.	Investieren Sie in tragfähige emotionale Bindungen zwischen den Schlüsselpersonen der Organisation

4. Investieren Sie in tragfähige emotionale Bindungen zwischen den Schlüsselpersonen der Organisation

Psychologisch gesehen ist es ein Mythos, dass wir nicht mit Unsicherheit umgehen können. Das lernten wir in unserer Kindheit, wenn es eine starke und tragfähige emotionale Bindung gab. Wichtig war, dass eine solche sichere Bindung vorhanden war. Übertragen auf den Umgang mit Unsicherheit in Organisationen heißt das, dass es wichtig ist, eine starke und tragfähige emotionale Bindung und Beziehung wenigstens im Kernteam der Schlüsselfunktionen einer Organisation aufzubauen.

Wie wir aus der Bindungstheorie wissen, hängt die Entwicklung der Bindung nicht von der ständigen Anwesenheit der Personen ab, sondern von der Qualität der Bindung und von der Feinfühligkeit/ Empathie der Personen im Umgang miteinander. Also es geht darum, in die Qualität der Beziehungen zu investieren und es geht darum, Vertrauen aufzubauen.

Ein wesentliches Element auf allen Ebenen ist die Förderung von Feinfühligkeit/ Empathie (die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen). Dazu gehört auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen. Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung. Je offener eine Person für die eigenen Gefühle ist, desto besser kann sie auch die Gefühle anderer deuten. Damit Teambindung entsteht, gilt es, diese Fähigkeit nicht nur bei der Führungskraft, sondern auch im Kernteam der Schlüsselpersonen zu stärken. Gute methodische Ansätze dafür sind die Thermenzentrierte Interaktion nach Ruth C. Cohn und die Dialogmethode nach David Bohm und wie sie am MIT (Massachusetts Institute of Technology) und von Martina und Johannes Hartkemeyer weiterentwickelt wurden.

Geeignete Maßnahmen zur Förderung der Bindung in der Organisation setzen also beim Teamklima an (Teamentwicklung). Darüber hinaus können Maßnahmen auch bei der Unternehmenskultur (Organisationsentwicklung) und beim Vorgesetzten-Verhalten (Führungskräfteentwicklung) ansetzen.

Nichts davon greift kurzfristig. Der Aufbau von tragfähigen emotionalen Bindungen und Vertrauen braucht Zeit. Er muss Krisen, Konflikte und Enttäuschungen überstehen können. Die Personen an und für sich müssen zählen, nicht ihr Verhalten, nicht ihre Ergebnisse oder ihre Zielerreichung. Bindung und Vertrauen sind Fehler-resistent. Personen mit einer tragfähigen emotionalen Bindung sind bereit, „für und miteinander durch dick und dünn zu gehen“.

Aufgrund des Fachkräftemangels ist Mitarbeiterbindung ein wichtiges Ziel der Personalpolitik geworden. Die Bündelung verschiedener Maßnahmen und Anreize wird als Retention-Programm bezeichnet. Diese Maßnahmen werden aber ihr Ziel verfehlen, wenn sie nicht in einer Unternehmenskultur verankert sind, die Wert auf Mitarbeiterbindung legt und damit zeigt, dass sie die MitarbeiterInnen als wichtigstes und wertvollstes Kapital des Unternehmens betrachtet.

Mein TIPP: Identifizieren Sie die Schlüsselpersonen der Organisation und investieren Sie in tragfähige emotionale Beziehungen zwischen diesen Personen und in Teamentwicklung (also in den Aufbau von Empathie im Umgang miteinander, von Vertrauen, Zusammenhalt, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung).

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