Monat: Januar 2017

Die VUCA-Welt und die Entfremdung

Als ich zu Beginn der 80er Jahre meine Beratungstätigkeit begonnen habe, war mein Hauptanliegen, dazu beizutragen, die entfremdete Arbeit zu überwinden durch ganzheitliche prozessorientierte Arbeitsabläufe und durch Empowerment. Mitarbeitende sollten nicht mehr nur einzelne zerteilte Arbeitsschritte ausführen und Anweisungen folgen, sondern selbständig und selbstorganisiert mit anderen in Teamarbeit Aufgaben eigenverantwortlich ausführen und ständig verbessern.

Wir haben dazu beigetragen, „profit“ und „people“, also das Gewinnstreben der Unternehmen und die Bedürfnisse der Mitarbeitenden gleichwertig in Kontakt zu bringen. Dazu haben wir gemeinsam mit unseren Kunden Führungskulturen entwickelt, in denen nicht über die Köpfe der Mitarbeitenden hinweg entschieden und gehandelt wurde. Betroffene zu Beteiligten zu machen, war für die jeweils unmittelbaren Führungskräfte damals eine echte Herausforderung, denn Führung war noch geprägt vom Denken aus der Nachkriegszeit. Damals haben wir viele heftige Rollenkonflikte in die neue Arbeitswelt begleitet.

Die Weiterentwicklung der funktionalen Arbeitsteilung zur prozessorientierten Zusammenarbeit ist inzwischen selbstverständliche Realität in Produktionsbetrieben, in vielen Dienstleistungsorganisationen und Verwaltungen.

Heute steht der nächste Schritt an. Es geht dabei auch wieder um die Überwindung von Entfremdung, aber auf einer anderen Ebene. Es geht darum, dass wir mit der (Sinn-) Trennung zwischen dem was und wie wir produzieren und dem was und wie wir konsumieren und leben ringen. Es geht darum, dass wir profit + people + planet besser in eine Balance bringen.

profit-people-planet

Symptomträger für diesen nächsten Schritt sind die rasanten Veränderungen und Verwerfungen, mit denen wir heute konfrontiert sind. Globalisierung und Digitalisierung haben zu einer Welt mit Unberechenbarkeit, Ungewissheit, Komplexität und Ambivalenz geführt.

Walter Nelhiebel

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